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Job 10
Zürcher Bibel 1931
1
Meiner Seele ekelt ob meines Lebens, / ich will meiner Klage wider ihn freien Lauf lassen, / will reden in der Bitternis meiner Seele, /
2
will sprechen zu Gott: Verdamme mich nicht, / lass mich wissen, warum du wider mich haderst. /
3
Ist dir's denn Gewinn, dass du unterdrückst, / dass du verwirfst das Werk deiner Hände / und zum Rate der Gottlosen leuchtest? /
4
Hast du denn Fleisches Augen, / oder siehest du etwa, wie Menschen sehen? /
5
Sind wie Tage der Menschen deine Tage, / sind deine Jahre wie die eines Mannes; /
6
dass du forschest nach meiner Schuld / und suchest nach meiner Sünde, /
7
da du doch weisst, dass ich schuldlos bin / und dass niemand errettet aus deiner Hand? /
8
Deine Hände haben mich kunstvoll gemacht und gebildet; / danach hast du dich abgewandt und mich vernichtet. / (a) Ps 119:73; 139:14
9
Gedenke doch, dass du wie Ton mich gebildet! / Und zu Staube willst du mich wieder machen? / (a) 1Mo 2:7; 3:19
10
Hast du mich nicht hingegossen wie Milch / und wie Käse mich gerinnen lassen? /
11
Mit Haut und Fleisch hast du mich umkleidet / und mich durchflochten mit Knochen und Sehnen. /
12
Leben und Lebenskraft hast du in mich gelegt, / und deine Fürsorge hat meinen Odem behütet. /
13
Doch dieses hast du in deinem Herzen verborgen, / ich weiss, dass es also bei dir beschlossen: /
14
Wenn ich sündigte, wolltest du acht darauf haben / und von meiner Schuld mich nicht freisprechen. /
15
Wäre ich schuldig, dann wehe mir! / und wäre ich schuldlos, so sollte ich doch mein Haupt nicht erheben, / gesättigt mit Schmach und getränkt mit Elend. /
16
Und höbe es sich, wie ein Löwe wolltest du nach mir jagen / und abermals dich wunderbar an mir erweisen, /
17
aufs neue stets deine Zeugen wider mich aufstellen / und deinen Unmut mehren gegen mich, / mir immer wieder Frondienst auferlegen. /
18
Warum liessest du mich kommen aus dem Mutterschoss / mich nicht verscheiden, dass kein Auge mich sah? / (a) Hio 3:11
19
Wie wenn ich nicht gewesen, wäre ich dann, / vom Mutterschoss weg zu Grabe getragen. /
20
Sind nicht der Tage meines Lebens nur wenige noch? / Lass doch ab von mir, dass ich mich ein wenig erheitre, /
21
ehe ich dahinfahre ohne Wiederkehr / ins Land der Finsternis und des Dunkels, / (a) Hio 7:10
22
ins Land so düster wie die schwarze Nacht, / ins Dunkel, wo kein Mittag ist.